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BS Briefe als musikhistorische Quellen: Theorie – Interpretation – Edition - Einzelansicht

Grunddaten
Veranstaltungsart Seminar Langtext
Veranstaltungsnummer Kurztext BS
Semester SoSe 2026 SWS 2
Erwartete Teilnehmer/-innen Max. Teilnehmer/-innen 12
Rhythmus jedes Semester Studienjahr
Credits 2 Belegung Belegpflicht
Hyperlink  
Belegungsfrist Anmeldefrist MuWi    31.03.2026 - 19.04.2026    aktuell Anmeldefrist MuWi    31.03.2026 - 19.04.2026    aktuell Anmeldefrist MuWi    31.03.2026 - 19.04.2026    aktuell
Termine Gruppe: [unbenannt] iCalendar Export für Outlook
  Tag Zeit Rhythmus Dauer Raum Raum-
plan
Lehrperson Status Bemerkung fällt aus am Max. Teilnehmer/-innen
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Do. 15:00 bis 17:00 woch 09.04.2026 bis 23.07.2026  Gebäude_e - e_1.15         12
Gruppe [unbenannt]:
 


Zugeordnete Person
Zugeordnete Person Zuständigkeit
Kannenberg, Simon , Dr. verantwortlich
Zuordnung zu Einrichtungen
Fachbereich Musik
Fachbereich Musikvermittlung
Musikwissenschaftliches Institut
Inhalt
Kommentar

Briefe stellen eine zentrale Quelle für die Erforschung der Musikgeschichte dar. Aus ihnen gehen nicht nur (auto-)biographische Informationen über ihre Schreiber hervor, sondern auch Informationen über die Genese ihrer Werke, über ihre ästhetischen Ansichten, über ihre sozialen Netzwerke u.v.m. Briefe von Komponisten und Interpreten, Komponistinnen und Interpretinnen, haben immer auch eine breiteres Publikum angesprochen, da ihre Lektüre eine Begegnung mit der „Persönlichkeit“, mit dem Menschen hinter der schaffenden Person versprach.

Die Blütezeit der (handschriftlichen) Briefkultur ist das 19. Jahrhundert. Der Brief selbst wurde als Medium der Selbstinszenierung aufgefasst und behandelt. Spätestens mit dem Erreichen einer gewissen öffentlichen Bedeutung rechnete der Schreiber auch mit einer früheren oder späteren Veröffentlichung des Inhalts seiner Briefe. Dementsprechend bewusst wurden Briefe inhaltlich konzipiert, aber auch optisch gestaltet. Briefe Mendelssohns sind beispielsweise eine wahre Augenweide! Der zunehmende Einsatz der Schreibmaschine im 20. Jahrhundert verdrängte diesen Aspekt, nicht jedoch die Tendenz zur Selbstinszenierung. Die Erkenntnis über die Bedingtheit der Entstehung und die damit einhergehende Bedingtheit der Aussagekraft von Briefen ist das Ergebnis einer Theoriebildung über Briefkultur, die erst in den letzten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts einsetzte. Für die rechte Interpretation von Briefen ist sie als Quellenkritik unverzichtbar geworden, da sie den Blick auf die individuellen Gegebenheiten des Schreibers und des Adressaten lenkt: Wer schreibt wann (in welcher persönlichen Lebenslage) an wen zu welchem Zweck? All diese Informationen beeinflussen den Inhalt eines Briefes maßgeblich.

Briefe bildeten den Grundstock zur überreichen Erinnerungsliteratur (Biographien, „Lebensbilder“, Briefausgaben) gegen Ende des 19. Jahrhunderts. Sie wurden jedoch häufig recht frei und phantasievoll in ein bestehendes oder gewünschtes Bild der betreffenden Person eingebunden. Die Musikwissenschaft bildete im Verbund mit anderen philologischen Disziplinen Kriterien für eine wissenschaftliche Edition heraus. Zu etlichen „großen“ Komponisten gibt es eine laufende oder teils abgeschlossene (freilich niemals zu erreichende) Gesamtausgabe ihrer Briefe. In den vergangenen Jahrzehnten stand die Entwicklung einheitlicher Kriterien für die digitale Edition von Briefen im Mittelpunkt musikwissenschaftlicher Briefforschung.

Das Seminar vermittelt einen Einblick in die breite und bunte Welt der Briefe und ihre Möglichkeiten für eine sinnvolle Verwendung im Kontext von Forschung, Vermittlung und persönlicher Erbauung.

Literatur

Back, Regina, „Freund meiner MusikSeele“. Felix Mendelssohn Bartholdy und Carl Klingemann im brieflichen Dialog, Kassel u. a. 2014 (Diss. HfMT Hamburg 2012).

Kannenberg, Simon, Joachim Raff und Hans von Bülow. Porträt einer Musikerfreundschaft. Briefedition, 2 Bde.,  Würzburg 2020 (Musik und Musikanschauung im 19. Jahrhundert, 18).

Leistungsnachweis

Bedingung für den Erwerb eines BN:

Regelmäßige Teilnahme und Mitarbeit;

Regelmäßige Erledigung von Hausaufgaben


Strukturbaum
Die Veranstaltung wurde 12 mal im Vorlesungsverzeichnis SoSe 2026 gefunden: