| Kommentar |
Das Seminar untersucht die politische Liedkultur seit den 68er-Jahren im transnationalen Kontext und fragt nach der Verknüpfung von persönlicher Alltagserfahrung und gesellschaftspolitischer Kritik im deutschsprachigen Lied. Ergänzend werden Entwicklungen in anderen Kontexten – etwa in den USA, Frankreich und Italien – einbezogen, darunter das französische Chanson, die italienischen Cantautori sowie die US-amerikanische Protest- und Folkbewegung. Analysiert werden die ästhetischen, medialen und sozialen Bedingungen, unter denen Musik zwischen Gegenkultur, Kommerzialisierung und individueller Lebenspraxis zu einem Träger gesellschaftskritischer Artikulation und Identifikation wurde. Dabei wird auch der Frage nachgegangen, wie sich individuelle und kollektive Ausdrucksformen gegenseitig beeinflussten.
Beleuchtet werden zudem zentrale Orte des Protests und der Liedermacherbewegung, darunter beispielsweise das Burg-Waldeck-Festival als Kristallisationspunkt der westdeutschen Szene.
Ausgehend von AkteurInnen wie Hannes Wader, Reinhard Mey und Bettina Wegner oder Gruppen wie Ton Steine Scherben sowie internationalen Referenzen (u. a. Léo Ferré, Bob Dylan, Nina Simone) wird der Blick auf Kontinuitäten und Entwicklungen bis in die heutige Zeit geöffnet, um die aktuelle Liedermacher- und Songwriter-Szene im Spannungsfeld von Tradition, Transformation und politischer Artikulation zu betrachten. |