| Kommentar |
Bis ins frühe 20. Jahrhundert hinein ist Goethe der mit Abstand meistvertonte deutschsprachige Dichter. Die Zahl der überlieferten Parallelvertonungen liegt für viele seiner Gedichte im hohen zweitstelligen Bereich. Zu seinen Lebzeiten hat Goethe die Vertonung seiner Texte ausdrücklich gefördert, Kontakt zu Komponist*innen gesucht und Erstveröffentlichungen häufig im Verbund mit musikalischen Fassungen publiziert. Für die Liedgeschichte wiederum sind Goethes Gedichte nicht nur als unerschöpfliche Inspirationsquelle für Kompositionen bedeutend, sondern auch als Katalysatoren liedästhetischer Neuerungen, die die Gattungsgeschichte geprägt und weitergeführt haben – dies durchaus auch im Spannungsverhältnis zu Goethes eigenen liedästhetischen Vorstellungen.
Das Seminar nimmt verschiedene Goethe-Vertonungen aus der Zeit zwischen 1780 und 1900 analytisch und interpretatorisch in den Blick und ordnet sie unter Einbezug liedästhetischer sowie aufführungspraktischer Quellen in ihren kulturgeschichtlichen Kontext ein. Dabei kommen auch Komponisten und Komponistinnen zur Sprache, die heute weitgehend in Vergessenheit geraten oder kaum mehr bekannt sind und erst in jüngerer Zeit wiederentdeckt werden. Auf diese Weise entfaltet die Veranstaltung am Beispiel des berühmtesten deutschen Dichters ein facettenreiches Panorama der spannungsvollen Gattungs- und Kulturgeschichte des Liedes von den Anfängen des romantischen „Kunstlied“-Ideals bis zur Wende zum 20. Jahrhundert. |
| Literatur |
Reinhold Brinkmann, „Musikalische Lyrik im 19. Jahrhundert“, in: Musikalische Lyrik, hrsg. v. Hermann Dauser, Teil 2, Laaber 2004 (Handbuch der musikalischen Gattungen Bd. 8.2), S. 9–124.
Walther Dürr, Das deutsche Sololied im 19. Jahrhundert: Untersuchungen zu Sprache und Musik, Wilhelmshaven 1984.
Elisabeth Schmierer, Geschichte des Kunstliedes. Eine Einführung, Laaber 2017.
Hans Joachim Hinrichsen, „Das Kunstlied als musikalische Lyrik“, in: Handbuch Literatur & Musik, hrsg. v. Nicola Gess u. Alexander Honold, Berlin/Boston 2017, S. 386–401. |
| Leistungsnachweis |
BN: Regelmäßige Anwesenheit, aktive mündliche Mitarbeit, Diskussionsbeteiligung sowie eigenständige Vor- und Nachbereitung; Übernahme von Kurzreferaten und Vorstellung eigener Analyseergebnisse.
AP: Referat und Studienarbeit oder Hausarbeit; mündliche Prüfung.
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